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Hintergrund

Die stationäre und ambulante Alten- und Krankenpflege gewinnt in ganz Deutschland und auch in NRW zunehmend an Bedeutung. Dabei führt der demografische Wandel dazu, dass sich drei Effekte gegenseitig verstärken, die neuartige Lösungsansätze erfordern:

  • Zum Ersten leben immer mehr alte Menschen in NRW, die der Pflege und Betreuung bedürfen,
  • zum Zweiten sinkt das Arbeitskräfteangebot in den Altersgruppen, aus denen Pflegekräfte gewonnen werden können, und
  • zum Dritten steigt das Durchschnittsalter der beschäftigten Pflegekräfte.

Bezogen auf die benötigten Altenpflegefachkräfte in Beschäftigung  ergeben sich aus verschiedenen Quellen (/1/, /2/ die folgenden Zahlen:

Kreis Heinsberg: 2009: Ambulante Dienste: 148, stationäre Einrichtungen: 415

Kreis Heinsberg: 2030: Ambulante Dienste: 300, stationäre Einrichtungen: 800

Gesundheitsregion Aachen: 2009: Ambulante Dienste: 761, stationäre Einrichtungen: 2302

Gesundheitsregion Aachen: 2030: Ambulante Dienste: 1500, stationäre Einrichtungen: 4600

Da man davon ausgehen muss, dass ein Teil der Ausbildungsabsolvent/inn/en z.B. wg. der Kinderphase zeitweise dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht oder den Beruf noch einmal wechselt, müssen die Zahlen der benötigten Personen mit abgeschlossener Altenpflege-Berufsausbildung noch höher angesetzt werden.

Pflegekräfte aus dem Ausland können hier nur einen geringen Beitrag leisten (vgl. u.a. /8/). Zum Hintergrund der genannten Zahlen sei hier noch auf einige demografische Entwicklungen verwiesen. Der Altenquotient, also das Verhältnis der „Alten“, nämlich der Menschen älter als 65 Jahre, im Vergleich zur potenziellen Erwerbsbevölkerung, also der Menschen zwischen 20 und 65 Jahren, beträgt im Kreis Heinsberg im Jahr 2010 32% und wird bis 2030 auf 54% steigen (/1/, S. 9).

Alter muss nicht gleich Pflegebedürftigkeit bedeuten, es ist aber unabweisbar, dass gerade bei den Hochbetagten (älter als 85 Jahre) der Anteil der Pflegebedürftigen ebenfalls hoch ist.

Schaut man sich die entsprechenden Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB, /2/, an, dann steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Kreis Heinsberg von 2007 bis 2030 von 8.300 auf 13.100, also um 58%.

Folgt man weiter der Argumentation des IAB, dass die Zahl der pflegenden Angehörigen sich - wegen des genannten Altenquotienten, der zunehmenden räumlichen Entfernung zwischen Eltern und Kindern und des Trends zu höheren Berufsabschlüssen verbunden mit höherer Erwerbsquote – nicht in gleichem Maße erhöhen wird, dann ergibt sich bis 2030, dass im Kreis Heinsberg 3200 Menschen durch ambulante Dienste und 5500 Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen gepflegt werden (/2/, Alternativszenario).

Es wird also notwendig sein, den schon jetzt im Vergleich relativ hohen Anteil von Pflegeschülern im ersten Ausbildungsjahr zu den Schulabgängern von 5,66 % im Kreis Heinsberg (!/1/, S. 36) bezogen auf die Altenpflege weiter zu steigern.

Entsprechend neue Chancen ergeben sich dadurch, dass die Finanzierung der Ausbildung von Altenpflegfachkräften in NRW auf das Umlageprinzip umgestellt wurde, so dass die ausbildenden Betriebe finanziell entlastet werden.

Die St. Gereon Seniorendienste und das Franziskusheim Geilenkirchen haben auf Grund dieser neuen Chancen und Herausforderungen besondere Anstrengungen zur Verstärkung der Ausbildung unternommen, so dass z.B. St. Gereon, die in 2005 noch insgesamt 16 Azubis ausbildeten, ab Herbst 2013 150 Auszubildende in Anstellung haben wird. Das Franziskusheim steigert die Zahl der jährlich neu anfangenden Auszubildenden von 8 im Jahr 2005 auf 25 im Jahr 2013. Damit bilden beide Einrichtungen weit über den eigenen Bedarf aus und leisten einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsgewinnung für die Altenpflege in der gesamten Region. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Absolvent/inn/en ihre Arbeitsplätze nach der Ausbildung nicht nur im Kreis Heinsberg sondern in der gesamten Gesundheitsregion Aachen suchen.

Außerdem werden neue Arbeitsplatz- und Qualifizierungschancen für Menschen erschlossen, die oft am Arbeitsmarkt benachteiligt sind: Hauptschülerinnen und Hauptschüler, Bewerber/innen mit Migrationshintergrund, Arbeitslose, die z.T. langjährig ohne Fachausbildung auf der Jobsuche sind, oder kurzfristig arbeitslos gewordene Menschen aus Schließungsstandorten (Beispiel „Schlecker-Frauen“). Unter den 150 Auszubildenden von St. Gereon sind z.B. 65 Azubis mit Hauptschulabschluss, davon 30 junge Menschen (≤ 20 J). Weiterhin haben 20 der Auszubildenden einen Migrationshintergrund, der Männeranteil liegt bei 18 %, also leicht über dem Durchschnitt in der Region (15%). Die Zusammensetzung der neuen Azubis im Franziskusheim stellt sich ähnlich dar.